Scheibenwischer schmieren mit WD40 – Trick oder Fehler?

WD40 gilt als Allheilmittel für quietschende, klemmende und widerspenstige Dinge aller Art. Kein Wunder, dass viele es auch bei schmierenden oder quietschenden Scheibenwischern als erste Wahl sehen. Ob das eine gute Idee ist – oder ein Fehler, der das Problem erst richtig verschlimmert – zeigt dieser Artikel.


Was WD40 eigentlich ist

WD40 ist kein Schmieröl und kein Pflegemittel – auch wenn es so verwendet wird. Die Abkürzung steht für „Water Displacement, 40th attempt“. Es ist ein Verdränger, ein Kriechöl, das Feuchtigkeit aus Ritzen und Verbindungen treibt und Korrosion hemmt.

Es löst Rost, lockert festsitzende Schrauben und vertreibt Wasser aus Kontakten. Für diese Aufgaben ist es hervorragend geeignet. Für Gummiteile und Autoscheiben ist es das falsche Mittel – und das aus konkreten Gründen.


Was WD40 mit dem Wischergummi macht

WD40 enthält Lösungsmittel, die Gummi angreifen. Wer es direkt auf die Gummilippe sprüht, weicht die Oberfläche auf. Kurzfristig wird der Gummi weicher – das klingt nach einer Verbesserung, ist aber das Gegenteil.

Ein aufgeweichter Gummi verliert seine Formstabilität. Er liegt nicht mehr gleichmäßig auf der Scheibe auf und beginnt nach kurzer Zeit stärker zu rubbeln und zu quietschen als zuvor. Dazu kommt: WD40 hinterlässt einen öligen Rückstand auf dem Gummi, der bei jedem Wischvorgang auf die Scheibe übertragen wird.

Viele versuchen zuerst WD40, wenn der Wischer quietscht. Das löst das Problem meist nur für wenige Minuten – dann ist es schlimmer als vorher.


Was WD40 auf der Scheibe anrichtet

Gelangt WD40 auf die Windschutzscheibe – was beim unkontrollierten Einsprühen fast unvermeidlich ist – bildet es einen öligen Film auf dem Glas. Dieser Film ist mit normalem Wischwasser nicht zu entfernen.

Der Wischer verteilt diesen Film bei jedem Einsatz neu. Das Ergebnis sind hartnäckige Schlieren, die besonders nachts stark blenden. Um diesen Film zu entfernen, braucht man anschließend einen Scheibenreiniger und mehrere Durchgänge mit einem Mikrofasertuch.

Wer WD40 am Wischer verwendet hat, löst also ein vermeintliches Problem – und erzeugt dabei ein tatsächliches.


Wann WD40 am Auto sinnvoll ist

WD40 hat seinen Platz – aber nicht am Wischer. Am Wischerarm, genauer gesagt an der Achse und den Gelenken des Arms, kann es sinnvoll eingesetzt werden, wenn der Arm klemmt oder rostet.

Auch festgefrorene Wischer lassen sich mit WD40 vorsichtig lösen – dabei darauf achten, dass kein Spray auf den Gummi oder die Scheibe gelangt. Das gelingt am besten mit einem gezielten Kurzstoß aus kurzer Distanz, anschließend sofort abwischen.

Am Gummi und auf der Scheibe hat WD40 nichts verloren – diese Regel gilt ohne Ausnahme.


Was stattdessen wirklich hilft

Wer quietschende oder schmierende Wischer mit einem Spray behandeln will, greift zu Silikonspray – aber auch das nur auf die Gummilippe, nicht auf die Scheibe. Silikonspray ist gummischonend und hinterlässt keinen öligen Rückstand.

Besser noch: zuerst die Ursache klären. Quietschen kommt meist von einem trockenen oder verschmutzten Gummi. Schmieren kommt meist von einem Fettfilm auf der Scheibe. Beides löst man mit Reinigen und Pflegen – nicht mit Spray.


Schritt für Schritt: WD40-Schaden beheben

Wer WD40 bereits verwendet hat, muss den entstandenen Film aktiv entfernen:

  • Gummilippe mit Isopropylalkohol oder Scheibenreiniger gründlich abwischen
  • Mehrere Durchgänge, bis kein öliger Rückstand mehr auf dem Tuch erscheint
  • Scheibe mit Scheibenreiniger und Mikrofasertuch vollständig entfetten
  • Wassertest: Perlt Wasser sauber ab? Wenn nicht, Vorgang wiederholen
  • Wischer einmal trocken laufen lassen und Ergebnis prüfen

Dieser Schaden ist behebbar – aber er kostet Zeit und das richtige Mittel.


Was im Alltag wirklich hilft

WD40 liegt in vielen Garagen griffbereit. Der Griff dazu ist verständlich – aber am Scheibenwischer fast immer ein Fehler.

Wer ein Spray möchte, das wirklich hilft, verwendet ein Silikonspray für Kfz-Gummi. Es pflegt die Gummilippe, ohne sie anzugreifen, und hinterlässt keinen Film auf der Scheibe – vorausgesetzt, man trägt es mit einem Tuch auf und nicht direkt aufgesprüht.


Kurzfazit

WD40 ist kein geeignetes Mittel für Scheibenwischer. Es greift den Wischergummi an, hinterlässt einen öligen Film auf der Scheibe und verschlimmert Schlieren und Quietschen auf Dauer. Wer es bereits verwendet hat, muss Gummi und Scheibe gründlich reinigen. Wer es vermeiden will, greift bei Gummiproblemen zu Silikonspray oder einem Gummipflegestift – und bei Schleifenproblemen zuerst zur Scheibenreinigung.


Häufige Fragen

Kann WD40 den Wischergummi dauerhaft beschädigen?

Bei einmaliger Anwendung ist der Schaden begrenzt und behebbar. Bei wiederholtem Einsatz weicht der Gummi dauerhaft auf, verliert seine Formstabilität und muss früher ersetzt werden. Ein einmaliger Fehler ist korrigierbar – eine Gewohnheit daraus zu machen ist kostspielig.

Was mache ich, wenn WD40 auf die Scheibe gelangt ist?

Scheibe sofort mit einem Scheibenreiniger und einem Mikrofasertuch gründlich abwischen. Nicht mit Wischwasser abspülen – das verteilt den Ölfilm nur. Mehrere Reinigungsdurchgänge sind nötig, bis der Wassertest zeigt, dass die Scheibe wieder sauber ist.

Gibt es Situationen, in denen WD40 am Wischer ausnahmsweise sinnvoll ist?

Nur an der Mechanik des Wischerarms – nie am Gummi, nie auf der Scheibe. Wer festgefrorene Wischer lösen will, kann WD40 gezielt am Gelenk einsetzen, muss aber unbedingt verhindern, dass Spray auf den Gummi oder das Glas gelangt.